11 Tage, 231 Seemeilen auf der Ostsee | Das vollständige Logbuch der Sommerreise der SRC Marisol

Yacht: SRC Marisol
Werft & Modell: Storebro Bruks AB, Royal Cruiser 34 (Adler 34)
Baujahr: 1975 | Heimathafen: Quandthafen Lübeck
Reisedaten: 11 Tage unterwegs | 231 Seemeilen im Kielwasser
Crew: Björn (Skipper) mit wechselnder Begleitung (Lukas, drei Engel, Lars, Lea, Elina & Ann-Kathrin)
Komplette Route: Lübeck (Quandthafen) – Travemünde – Weiße Wiek (Boltenhagen) – Kirchdorf (Insel Poel) – Wismar Stadthafen – Timmendorf (Poel) – Kühlungsborn – Warnemünde (Alter Strom) – Rostock Stadthafen – Nachtfahrt Warnemünde – Marina Hohe Düne – Kühlungsborn – Weiße Wiek – Salzhaff / Rerik – Neustadt in Holstein – Travemünde – Pötenitzer Wiek – Quandthafen Lübeck


Donnerstag, 13.08.: Leinen los und Verholen nach Travemünde

Jeder große Ostseetörn beginnt mit dem vertrauten Klacken der Hauptschalter und dem sonoren Erwachen der beiden Perkins-Turbodiesel im Maschinenraum. Am Donnerstagnachmittag hieß es im heimischen Quandthafen: Leinen los!

Um den Start vollkommen entspannt anzugehen, ging es zunächst gemütlich die Trave abwärts. Vorbei an Schlutup, Herrenwyk und den großen Skandinavienfähren machten wir am Abend in Travemünde fest – die ideale Ausgangsbasis für den Törn.


Freitag, 14.08.: Homeoffice an Bord & Feierabendschlag in die Weiße Wiek

Der Freitag begann mit modernem Bordleben: Bevor an freies Seewasser zu denken war, legten Lukas und ich erst einmal einen produktiven Arbeitstag im Homeoffice an Bord ein. Zwischen Teakdeck, Mahagoni und leichtem Gluckern an der Bordwand gingen Calls und Mails zügig von der Hand.

Punkt 17:30 Uhr fielen die Laptops zu: Rechner aus, Maschinen an! An der Nordermole Travemünde vorbei glitt die Marisol hinaus auf die freie Lübecker Bucht. Bei hochsommerlichem Himmel nahmen wir direkten Kurs ostwärts auf die mecklenburgische Küste in die geschützte Marina Weiße Wiek bei Boltenhagen. Nach dem Einlaufen im Abendlicht schmeckte das wohlverdiente Anleger-Getränk im Cockpit doppelt gut.


Samstag, 15.08.: Fjord-Flair in Kirchdorf & Bord-Catering im Wismarer Stadthafen

Am Samstagvormittag hieß es wieder Leinen los mit Kurs auf die Insel Poel. Die Passage durch das geschützte Fahrwasser des Kirchsees nach Kirchdorf fühlte sich fast wie eine Reise in einen schwedischen Fjord an. In Kirchdorf machten wir fest, um ausgiebig zu Mittag zu essen. Und wie herrlich klein die Welt auf dem Wasser ist: Unser Bootsfreund Ralf verpasste uns dort um gerade einmal 20 Minuten!

Am Nachmittag ging es weiter südwärts durch die Wismarbucht direkt in das Herz der Hansestadt Wismar. Im Stadthafen ergatterten wir einen fantastischen Liegeplatz. Dort wurde es richtig gesellig: Wir trafen auf drei Engel, die den Abend und die Nacht an Bord der Marisol verbrachten. Den kulinarischen Höhepunkt lieferte das benachbarte italienische Restaurant „Il Casale“: Die Crew wurde direkt an Bord mit Speis und Trank beliefert – erstklassige italienische Küche, stilecht serviert auf das Achterdeck unseres schwedischen Klassikers.


Sonntag, 16.08.: Abschied bei Walfisch, Solo-Schlag & Wiedersehen auf Poel

Am Sonntagmorgen legten wir gemeinsam ab und fuhren hinaus bis vor die geschichtsträchtige Insel Walfisch. Dort hieß es Abschied nehmen: Die drei Engel und Lukas gingen von Bord, und ab diesem Moment übernahm ich das Ruder der Marisol als Einhand-Skipper.

Mein Ziel für die Nacht war der Hafen Timmendorf auf Poel an der Westseite der Insel. Das Anlegemanöver blieb an Land keineswegs unbemerkt: Mein ehemaliger Kollege und Ruheständler Christian beobachtete das Einlaufen nebst Frau direkt von der Kaikante. Beim anschließenden gemeinsamen Abendessen wurden alte Geschichten aufgewärmt, viel gelacht und Seemannsgarn gesponnen, bevor die Nacht über den Hafen zog.


Montag, 17.08.: Solo über die Mecklenburger Bucht nach Warnemünde

Montagmorgen: Maschinen-Check, Seeventile kontrolliert, Festmacher eingeholt. Auf offener See zog die Marisol mit stetiger Marschfahrt gen Nordosten. Zum Mittagessen steuerte ich die moderne Marina Kühlungsborn an: Ein kurzer Zwischenstopp an den Schwimmstegen, frische Seeluft atmen und den Blick über den Ostseehorizont schweifen lassen.

Am Nachmittag folgte der Seeschlag hinüber nach Warnemünde. Das Einlaufen zwischen den Molenfeuern und die Fahrt in den traditionsreichen Alten Strom ist immer wieder ein Gänsehaut-Moment. Wir ergatterten einen Traumliegeplatz in direkter Sichtweite des markanten Warnemünder Leuchtturms. Am Abend kam Lars an Bord, um bei bestem Klönschnack in der Plicht den Tag perfekt ausklingen zu lassen.


Dienstag, 18.08.: Rostocker Hafenrunde, Nachtfahrt & Abschied von Lars

Nach einer erholsamen Nacht startete der Dienstag mit einem perfekten Frühstück im Skippers Bistro – inklusive fachmännischen Klönschnacks mit den Tischnachbarn. Nach einem kleinen Einkaufsbummel an Land hieß es mittags: Leinen los im Alten Strom!

Die Marisol glitt die Warnow aufwärts. Eine beeindruckende Revierfahrt vorbei am Kreuzfahrtterminal, den riesigen Verladeterminals und traditionsreichen Werftanlagen bis hinein in den Stadthafen Rostock. Dort stand erst einmal Landgang auf dem Programm mit einem Abstecher zum Doberaner Platz.

Am Abend reiste Lars erneut an: Er hatte das Auto in Warnemünde stehen lassen und kam unkompliziert mit der S-Bahn in den Stadthafen. Nach einem deftigen Abendessen bei „Der Grieche“ stand das navigatorische Highlight des Tages an: Nachtfahrt zurück nach Warnemünde!

Lars, selbst erfahrener Segellehrer, war restlos begeistert von der Nachttauglichkeit der Marisol. Im pechschwarzen Fahrwasser zahlte sich akribische Navigation aus: Seekartenstudium, genaue Peilung und ständige Orientierung ließen keinen Zweifel über unsere Position zu. Unbeleuchtete Bojen, Seezeichen und Tonnen wurden sicher und souverän umfahren. Dazu die nächtliche Kulisse des erleuchteten Hafens und eine spektakuläre Begegnung kurz nach Mitternacht, als uns die mächtige Fähre NILS HOLGERSSON im Heckwasser folgte – echtes Großschifffahrts-Gefühl!

Zurück am alten Liegeplatz im Alten Strom ging Lars nach diesem eindrucksvollen Nachtschlag von Bord und trat den Heimweg zu seinem Auto an. Ich legte mich nach dem erfolgreichen Manöver für eine wohlverdiente Mütze Schlaf in die Koje.


Mittwoch, 19.08.: Schiffsuhr auf Hohe Düne & Ausweichmanöver Weiße Wiek

Am nächsten Morgen verholte ich die Marisol solo auf die andere Warnowseite in die Marina Hohe Düne. Nach einem ausgiebigen Frühstück gab es dort maritimen Zuwachs für das Interieur: Eine neue Schiffsuhr wurde für die Eignerkajüte (Captains Cabin) angeschafft.

Anschließend ging es wieder westwärts. Über einen Zwischenstopp samt Stadtbummel in Kühlungsborn lag der Kurs auf dem Salzhaff und Rerik. Doch Seemannschaft bedeutet immer auch, flexibel auf die Bedingungen zu reagieren: Die flache, schmale Reriker Rinne mit ihren tückischen Untiefen rechts und links erschien bei Dunkelheit und stehendem Seegang von rund 1,5 Metern schlicht zu riskant. Vernunft ging vor: Kursänderung zur Weißen Wiek, um dort sicher festzumachen, die Tanks aufzufüllen und die knifflige Einfahrt am nächsten Morgen bei bestem Tageslicht anzugehen.


Donnerstag, 20.08.: Perfekte Einfahrt ins Salzhaff & Traumhafen Rerik

Die Entscheidung vom Vorabend erwies sich als goldrichtig. Bei hellem Tageslicht zeigte sich das Salzhaff von seiner friedlichen Seite – aber auch, warum Vorsicht geboten war: Zahllose Stellnetze der Fischer säumten das Fahrwasser, die in der Dunkelheit kaum auszumachen gewesen wären.

Die Ansteuerung klappte wie am Schnürchen. In Rerik machte ich an einem hervorragenden Liegeplatz fest. Eingebettet in die idyllische Natur bot der Hafen die perfekte, ruhige Kulisse für den anstehenden Arbeitsalltag.


Freitag, 21.08.: Homeoffice, Begegnung mit der „Finnlady“ & Empfang in Neustadt

Freitag hieß es noch einmal konzentriertes Arbeiten im schwimmenden Büro in Rerik. Am späten Freitagnachmittag wurden die Leinen für einen echten Seeschlag gelöst: Quer über die Mecklenburger Bucht nach Neustadt in Holstein.

Es wurde eine grandiose Überfahrt: Erstmalig auf diesem Törn war rundum für eine Weile kein Land mehr in Sicht – nur offenes Wasser und der endlose Horizont. Doch die Seefahrt hielt noch einen Adrenalinkick bereit: An der Trave-Ansteuerungstonne (Trave Buoy) kreuzte plötzlich die Großfähre Finnlady von Steuerbord unseren Kurs – mit gut 40 km/h (über 21 Knoten) Marschfahrt. Ein entschlossener Dreh der Marisol um 20 Grad nach Backbord genügte, um die Situation sauber zu entschärfen. Respekt flößten allerdings die rund 3 Meter hohen Heckwellen ein, die der Frachter hinter sich herzog und die unsere Adler 34 souverän durchritt.

Vorbei an Pelzerhaken im Licht eines romantischen Sonnenuntergangs liefen wir am Abend in Neustadt ein. Und die Überraschung war perfekt: An der Pier wurde die Marisol bereits freudig von unseren drei Engeln empfangen!


Samstag, 22.08.: Crewwechsel, Gosch in Travemünde & Sonntag vor Anker

Der Samstag begann mit einem kräftigen Frühstück im Restaurant Waterkant in Neustadt. Anschließend ging es mit neuer Crew weiter: Lea und Elina begleiteten mich auf dem Schlag zurück über die Bucht nach Travemünde. Nach dem Festmachen ließen wir den Tag bei frischem Fisch und kühlen Getränken bei Gosch maritim ausklingen.

Der Sonntag (23.08.) bot das perfekte Finale einer grandiosen Reise: Wir verholten das Schiff in die geschützte Pötenitzer Wiek, ließen das Ankergeschirr fallen und genossen die Ruhe, die Wärme und das Wasser fernab jedes Hafenrummels.

Am späten Nachmittag hieß es schließlich: Anker auf und die letzten Meilen die Trave hinaufgleiten. Nach 11 Tagen, 231 Seemeilen, spannenden Nachtfahrten, Großschifffahrts-Begegnungen und unvergesslichen Momenten mit Freunden lag die SRC Marisol wieder sicher an ihren vertrauten Pfählen im Quandthafen Lübeck.

Ein Sommertörn, der wieder einmal bewiesen hat, wie vielseitig, sicher und zeitlos schön unsere Storebro Adler 34 durch jedes Ostseewasser zieht.

Mast- und Schotbruch sowie immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel,
Euer Blog Adler34 von Bord der SRC Marisol

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